SAMMLUNGEN

 


Zur Architektur

Die Stuckgewölbe des Erdgeschosses zählen zu den bemerkenswertesten in Norddeutschland. Jeder Raum verfügt über eine individuelle Gestaltung, am aufwendigsten sind die beiden Hofstuben ausgeschmückt. Die Ornamentik verweist auf niederländische und italienische Vorbilder und trägt damit dem übernationalen Anspruch der Residenz Herzog Ulrichs Rechnung.
Der große Festsaal im ersten Obergeschoss des Südflügels bildet den Höhepunkt des Schlossbesuches. Der Rotwildfries von Christoph Parr (1569-71) ist von hohem künstlerischen Rang, als eine virtuose Rarität manieristischer Dekorationskunst hat die Stuck-Kassettendecke mit exotischen Jagdszenen nach Jan van der Straet zu gelten, die Daniel Anckermann 1620 vollendete.
Zu den wenigen weitgehend intakt erhaltenen Räumen gehört die herzogliche Stube (Paarsaal). Der größtenteils rekonstruierte Majolikafußboden, die stuckierte Fensterlaibung und die bemalte Stuckdecke vermitteln den typischen Farbeindruck eines Renaissance-Ambientes.

Kunst des Mittelalters

Die Mittelaltersammlung besticht nicht nur durch einzelne hervorragende Kunstwerke, sondern auch durch ihre regionale Geschlossenheit. Sie vereint Ausstattungsstücke aus Kirchen des einstigen Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin: Altäre, Skulpturen, Glasfenster, Mobiliar, Altargerät und liturgische Textilien.
Einmalig in Deutschland sind Umfang und Vielfalt der Kleinbildwerke des Zisterzienser-Nonnenklosters zum Heiligen Kreuz in Rostock, die bis zur Aufhebung des Damenstifts 1920 von den evangelischen Konventualinnen gehütet wurden, unter anderem die älteste erhaltene deutsche Hinterglasmalerei.
Für die deutsche Kunstgeschichte wichtige Stücke sind der 1411 entstandene Tempziner Altar, der ursprünglich für die Lübecker Jacobikirche geschaffene Neustädter Altar von 1435 und vier Hauptwerke der Rostocker Bildschnitzkunst um 1430: eine Gottvaterbüste und drei Jünger einer Ölberggruppe.

Kunst der Renaissance

Deutsche, niederländische und italienische Gemälde und Plastiken zeigen, wie die sakrale Thematik des Mittelalters von der Darstellung des Menschen und der ihn umgebenden Welt abgelöst wird. Kunstkammerstücke - z. B. Tierpokale und Kabinettschränke mit Edelsteineinlagen - verbinden künstlerisches und naturwissenschaftliches Interesse fürstlicher Sammler.

Majoliken und Münzen

Die Majolikasammlung des Staatlichen Museums Schwerin veranschaulicht die technische, farbliche und motivische Entwicklung der besonders für die italienische Renaissance so typischen Keramik.
Die Münzsammlung dokumentiert mecklenburgische Münz- und Landesgeschichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert: von der Unterwerfung der Slawen durch deutsche Siedler bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918.

Waffen

Prachtvolle und technisch ausgeklügelte Jagdwaffen kamen bei den Jagden des herzoglichen Hofes zum Einsatz und dienten zugleich höfischer Repräsentation. Die ausgewählten Spitzenstücke der reichhaltigen herzoglichen Waffensammlung stehen stellvertretend für den stilistischen Wandel des Dekors und die handwerklich-technologische Erfindungsgabe der zu ihrer Zeit hochgeschätzten Büchsenmacher.
 

Antike

 Zu den herausragenden Sammlungen des Schweriner Großherzogs zählt die überwiegend in Rom erworbene Antikenkollektion, die vor allem über griechische schwarz- und rotfigurige Keramik verfügt, darunter der berühmte Skyphos des Malers Pistoxeno.



Glas

Der Bestand illustriert beispielhaft die technische und künstlerische Entwicklung der Glasherstellung von der Antike bis zur jüngsten Vergangenheit, von ägyptischen Balsamarien bis zur Glasplastik von renommierten DDR-Künstlern. Einen Höhepunkt der Sammlung bilden die lothringischen und österreichischen Jugendstilvasen von bestechendem ästhetischen und technischem Raffinement.

Zeitgenössische Kunst    "Güstrower Räume"

Besteckdesign der Firma C. Hugo Pott

Das Staatliche Museum Schwerin zeigt auf Schloss Güstrow erstmalig seinen Bestand an modernen Bestecken, die durch eine Schenkung der Solinger Firma C. Hugo Pott in das Haus gekommen sind. Der Zuwachs von 16 mehrteiligen Bestecken und einem Rahmservice stellt eine willkommene Bereicherung der im Aufbau begriffenen Design-Sammlung dar. Carl Pott (1906-1985), hochrangiger Designer und Besteckhersteller, dessen Name eng mit der Geschichte des Designs im 20. Jahrhunderts verbunden ist, entwarf den größten Teil seiner Bestecke und Tischaccessoires selbst. Sie gehören zu den Klassikern der Moderne und führen die Traditionen des Deutschen Werkbundes und des Bauhauses bis in die Gegenwart fort. Seit den vierziger Jahren beauftragte Pott Künstler und Designer wie Wilhelm Wagenfeld, Hermann Gretsch, Paul Voss, Hans Schwippert oder Josef Hoffmann und bereicherte seine Produktpalette um Bestecke unterschiedlichster künstlerischer Ausprägung.
 

 

 


Stuck-Kassettendecke im Festsaal

 


Segnendes Christkind,
Mechelen, um 1500

 


Tempziner Altar

 


Marten de Vos
Einhorn, 1572

 


Jagdwaffen 17. Jh.

 


Skyphos des Pistoxenos,
 um 450 v. Chr.

 


Jugendstilvasen
Emile Gallé, um 1905

 


Tafelbesteck, versilbert und poliert
C. Hugo Pott GmbH, Solingen
Entwurf: Carl und Hanspeter Pott, 1972